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Brustkrebs-Therapie von morgen: Moderne Arzneimittel zielen auf einzelne Eiweiss-Stoffe

90 Prozent aller Frauen, bei denen der Brustkrebs in einem frühen Stadium entdeckt wird, können heute vollständig geheilt werden, wenn sie in hoch spezialisierten Zentren behandelt werden. Und sogar noch nach dem Auftreten erster Knochenmetastasen beträgt heute die Lebenserwartung von Brustkrebspatientinnen noch viele Jahre. Überholt ist die Vorstellung, dass es beim Brustkrebs vor allem darum geht, den Tumor so schnell wie möglich aus der Brust zu entfernen, so Prof. Dr. med. Alfons Scharl, Vorsitzender der Kommission Mamma der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, anlässlich einer Forschungskonferenz in München.

Denn in erster Linie geht es heute darum, den Tumor bereits vor Beginn jeder Therapie so gut wie möglich kennenzulernen. Das bedeutet nicht nur, seine Größe, Lage und möglicherweise befallene Lymphknoten festzustellen, sondern in den Gewebeproben zahlreiche Eigenschaften der Tumorzellen zu untersuchen: Welche Eigenschaften hat der Tumor auf seiner Oberfläche, die einen gezielten Zugriff für einzelne Arzneimittel möglich machen? Kann auf Chemotherapie vielleicht völlig verzichtet werden, oder hat die Patientin vielleicht von der Chemotherapie einen besonders großen Vorteil? Ist es eventuell sinnvoll, bereits vor der Operation eine medikamentöse Behandlung durchzuführen und dadurch den Tumor erheblich zu verkleinern?

Anlässlich der COMBAT-Forschungskonferenz in München diskutierten Expertinnen und Experten aus der Grundlagenforschung, aus Brustkrebszentren und Praxen sowie aus der Statistik, welche Arzneimittel künftig die Behandlung von Brustkrebspatientinnen noch erfolgreicher machen können.

Eine Hemmung der Zellteilung bewirken Arzneimittel, die in die Zelle eindringen und von innen einige Tumor-typische Rezeptoren an der Zellwand blockieren (1). Durch eine solche Blockade reagiert die Zelle nicht mehr auf Wachstumsimpulse. Diese Arzneimittel wurden zunächst nur bei Patientinnen mit fortgeschrittener Erkrankung angewendet. Es wird aber inzwischen erprobt, ob sie vielleicht bei manchen Patientinnen gleich zu Anfang der Behandlung eingesetzt werden und einen Vorteil für diese Patientinnen bringen können; denn die Nebenwirkungen fallen deutlich geringer aus als bei einer herkömmlichen Chemotherapie.

Erst vor wenigen Jahren wurde eine Möglichkeit entdeckt, direkt in das Wachstum von Tumorzellen einzugreifen. Hierfür werden Substanzen verwendet, die das Zellprotein „mTOR" (2) hemmen. mTOR hat eine Schlüsselstellung bei der Synthese von Proteinen, von Zellwachstum und Zellteilung. Das Arzneimittel Everolimus, ein mTOR-Hemmer, kann bei Tumorzellen mit Östrogen-Rezeptoren, die auf eine Antiöstrogen-Therapie nach längerer Therapiedauer nicht mehr reagieren, und bei denen deshalb Metastasen aufgetreten sind, die Empfindlichkeit gegen die Standardtherapie wiederherstellen. Erst vor wenigen Monaten wurde das Arzneimittel in Europa für die Behandlung von Brustkrebspatientinnen zugelassen. Es wird in Kombination mit der Antihormontherapie Exemestan angewendet, das die Synthese von Östrogenen hemmt und damit der Zellteilung von Tumorzellen mit Östrogen-Rezeptoren den Boden entzieht.

Eine weitere wichtige moderne Medikamentengruppe für problematische Situationen - Rückfälle, Metastasen - blockiert die Fähigkeit von Tumorzellen, Blutgefäße für den Eigenbedarf zu bilden. Solche neuen Blutgefäße ermöglichen es Tumoren, immer größer anzuwachsen. Die Arzneimittel sind z.B. spezielle Immunglobuline, die gezielt ein Wachstumsprotein blockieren, das für die Neubildung von Blutgefäßen notwendig ist. Ein solches Arzneimittel, der Antikörper Bevacizumab, ist bisher nur für Patientinnen mit Rückfällen oder Metastasen zugelassen. In Studien wird allerdings derzeit untersucht, in welchen Fällen möglicherweise bereits eine sehr frühe Behandlung hilfreich sein könnte, um das Fortschreiten der Erkrankung zu blocken.

 
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